Sports, Medicine and Health Summit | 22. - 24. Juni 2023 I CCH Hamburg
Return to Sport nach einer Impfung

Ab wann kann mein Kind nach einer Impfung wieder Sport machen?


Derzeit empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) allen Kindern und Jugendlichen im Alter von 12-17 Jahren eine COVID-19-Impfung mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty der Firmen BioNTech/Pfizer. Kindern im Alter von 5-11 Jahren wird die Impfung, der STIKO zufolge dann empfohlen, wenn sie aufgrund von Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung haben (Stand Januar 2022). Viele Eltern lassen ihre Kinder den Empfehlungen folgend impfen. Wenn diese Entscheidung getroffen wurde, folgen in der Regel neue Fragen.
 

Impfung gegen COVID-19

Muss sich mein Kind nach einer Impfung schonen?
Ab wann darf mein Kind nach einer Impfung wieder toben und Sport machen?

Aufgrund der Beanspruchung des Immunsystems durch eine Impfung sollte am Tag einer Impfung kein intensiver Sport getrieben werden, denn starke körperliche Anstrengung reizt das Muskelgewebe, sodass Immunzellen die damit einhergehenden “Reparaturarbeiten” verletzter Muskelzellen leisten müssen (Härtel, 2021). Ein allgemeines Sportverbot ist bei Impfungen aber nicht angebracht. In Studien an erwachsenen Sportler*innen ließen sich keine Hinweise auf ein vermehrtes Auftreten von Impfnebenwirkungen unter körperlicher Belastung finden. In einem Zeitraum von 20 Wochen vor der Impfung, kann die Impfwirkung sogar durch sportliche Aktivität verbessert werden (siehe hier). 

Nach Lebendimpfungen (z.B. Rotavirus-, Masern-Mumps-Röteln-, Varizellen-Impfstoff) empfehlen Furian und Rolirand (2009) Kindern hingegen, bis zu zwei Wochen auf intensives Training zu verzichten. Auch nach einer COVID-19 Impfung rät der Kinder- und Jugendmediziner Prof. Reinhard Berner des Uniklinikum Dresden der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge für einige Tage von intensiver körperlicher Aktivität ab. Er empfehle „insbesondere den Jungs“ nach der Corona-Impfung zehn Tage Sportverzicht. Prof. Berner bezieht sich mit seiner Empfehlung auf Jungen über 12 Jahre, die im Vergleich zu gleichaltrigen Mädchen ein leicht erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Myokarditis (Herzmuskelentzündung) nach der Impfung aufweisen. 

Frau Prof. Kriemler, Präsidentin der Gesellschaft für Pädiatrische Sportmedizin (GPS), hingegen sieht auf Nachfrage keine Notwendigkeit für ein Sportverzicht im Breitensport. Im Leistungssport empfehle sich, eine Woche keine intensiven Trainings und Wettkämpfe durchzuführen.

Einen zugelassenen Impfstoff und entsprechende Impfempfehlungen für Kinder unter 5 Jahren gibt es bisher nicht. Einige pädiatrische Praxen bieten dennoch auch für Kinder unter 5 Jahren sogenannte Off-Label Impfungen an, impfen also trotz fehlender Zulassung. 

In Anbetracht der hohen Inzidenzen von COVID-19 Erkrankten infizieren sich trotz steigender Impfquote auch vermehrt Kinder und Jugendliche. So stellt sich auch nach einer Erkrankung die Frage, wie lange die Heranwachsenden auf körperliche Belastungen verzichten sollten. 

Falls sich mein Kind doch infiziert haben sollte, ab wann kann es nach einer überstandenen COVID-19 Infektion wieder Sport treiben?          

Grundsätzlich gelten im Kleinkindalter bis zu acht unkomplizierte Infektionen pro Jahr als physiologisch - also normal. Fieberhafte Infektionen sind der häufigste Grund für eine ärztliche Vorstellung im Kindes- und Jugendalter.

Eine COVID-19 Erkrankung nach einer Infektion mit dem SARS-CoV-2 Virus gilt hingegen als Multiorgan Erkrankung. Eine systematische Übersichtsarbeit bestehender Übersichtsarbeiten aus dem Jahr 2021 berichtet, dass Fieber und Husten die häufigsten Symptome einer COVID-19 Erkrankung im Kindesalter seien; der Anteil von Fieber lag zwischen 46 % und 64,2 % und der von Husten zwischen 32 % und 55,9 %. Alle anderen Symptome, einschließlich Rhinorrhoe (Nasenlaufen), Halsschmerzen, Kopfschmerzen, Müdigkeit/Myalgie und gastrointestinale Symptome (Durchfall und Erbrechen) waren selten und traten bei weniger als 10-20 % auf (Viner et al., 2021). Risikofaktoren für schwere COVID-19 Verläufe bei hospitalisierten Kindern über 2 Jahren sind einer weiteren Studie zufolge Vorerkrankungen wie chronischen Lungenerkrankungen, neurologische Störungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Frühgeburt und Atemwegsanomalien. Bei hospitalisierten Kindern im Alter von 2 bis 17 Jahren waren Ernährungssondenabhängigkeit, Diabetes mellitus und Adipositas mit schwerer COVID-19 assoziiert (Woodruff et al., 2022).

Prof. Susi Kriemler, Präsidentin der Gesellschaft für Pädiatrische Sportmedizin (GPS) veröffentlichte bereits im September 2021 eine Stellungnahme, die Ärzt*innen und Eltern helfen soll, das Risiko der Ausbreitung von SARS-CoV-2 innerhalb der Familien und bei Sport­aktivitäten zu reduzieren, und beinhaltet einen Leitfaden für die Rückkehr in den Sport nach COVID-19 für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre.


Sportverzicht bei symptomlosen oder mildem Verlauf:

Ab Symptombeginn und/oder positivem PCR Test sollte den Autorinnen und Autoren zufolge mindestens 10–14 Tage kein Kontakt mit anderen Kindern und kein Sport stattfinden.

Sportverzicht bei mäßig starken Symptomen (≥3 Tage Fieber 38,5 °C und mehr, Myalgien (Muskelschmerzen), Lethargie (Abgeschlagenheit) und/oder leichter Pneumonie (Lungenentzündung) ohne Sauerstoffbedarf oder Hospitalisation außerhalb Intensivstation sowie schwerem Verlauf:

Hier sollte  mit einem Kardiologen Rücksprache gehalten werden, insbesondere bei Kindern über 12 Jahren, bevor intensive sportliche Aktivität nach der Erkrankung wieder aufgenommen wird! Hier gilt es eine Myokarditis, also die Herzmuskelentzündung auszuschließen. Das ist insbesondere bei einem schweren Verlauf unerlässlich.

Junge spielt Fußball

Dieser Artikel wurde von Hanna Zimmel und Laura L. Bischoff verfasst

Literatur 

Furian, T. C., & Rolirad, K. D. (2009). Impfungen und körperliche Aktivität. Dtsch Z für Sportmed 60(12).
Furian, T.C., Ritthaler, F. (1998). Influence of an intensive work-out programme on antibody responses to an hepatitis A-vaccine in moderately trained, fitness-oriented athletes. Int J Sports Med 19 (S2) 212.
Härtel, C. (2021). Sport und Infektionen, Impfungen. In I. Menrath, C. Graf, U. Granacher, & S. Kriemler. Pädiatrische Sportmedizin (pp. 165-174). Springer, Berlin, Heidelberg.
Kriemler, S., Siaplaouras J., Förster H., & Joisten C. (2021). COVID-19 bei jugendlichen Athleten: Diagnose und Return to Sports. SEMS-journal, 69(3). https://doi.org/10.34045/SEMS/2021/32     
Ledo, A., Schub, D., Ziller, C., Enders, M., Stenger, T., Gärtner, B. C., ... & Sester, M. (2020). Elite athletes on regular training show more pronounced induction of vaccine-specific T-cells and antibodies after tetravalent influenza vaccination than controls. Brain, behavior, and immunity, 83, 135-145.  https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31580932/
Viner, R. M., Ward, J. L., Hudson, L. D., Ashe, M., Patel, S. V., Hargreaves, D., & Whittaker, E. (2021). Systematic review of reviews of symptoms and signs of COVID-19 in children and adolescents. Archives of disease in childhood, 106(8), 802-807.
Woodruff, R. C., Campbell, A. P., Taylor, C. A., Chai, S. J., Kawasaki, B., Meek, J., ... & COVID-NET surveillance team. (2022). Risk factors for severe COVID-19 in children. Pediatrics, 149(1).