Studie Diastolische Herzinsuffizienz

Sport bei diastolischer Herzinsuffizienz: Welches Training ist zu empfehlen?

Die groß angelegte Ex‐DHF Studie untersucht langfristige Effekte eines 12-monatigen Ausdauer- und Krafttrainings bei HFpEF Patienten.

Angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft ist es nicht überraschend, dass die Prävalenz von Herzkreislauferkrankungen in den letzten zehn Jahren gestiegen ist. Klassische Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Bewegungsmangel führen - insbesondere bei älteren Menschen -  zu einem vermehrten Auftreten von Herzinsuffizienzen.

Während lange davon ausgegangen wurde, dass Funktionseinschränkungen hauptsächlich in systolischen Phasen zu erwarten sind, erfahren diastolischen Herzinsuffizienzen derzeit neue Aufmerksamkeit. Charakteristisch für die diastolische Herzinsuffizienz ist die erhöhte Steifigkeit sowie gestörte Entspannungsfähigkeit der Herzkammer bei erhaltener systolischer links-ventrikulärer Funktion. Sie wird daher auch Herzinsuffizienz mit erhaltener links-ventrikulärer Ejektionsfraktion, im englischen Heart Failure with preserved Ejection Fraction (HFpEF) genannt.

Im Gegensatz zu der systolischen Herzinsuffizienz (oder: Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion, Heart Failure with reduced Ejection Fraction(HFrEF)), gibt es für die diastolische Herzinsuffizienz kaum zuverlässige Studienergebnisse zu Therapiemöglichkeiten, weder medikamentöser noch trainingstherapeutischer Art (siehe die aktuelle nationale Versorgungsleitlinie). Ergebnisse erster Studien mit kleinen Patientengruppen deuten allerdings darauf hin, dass eine höhere kardiorespiratorische Fitness eine gesteigerte Leistungsfähigkeit, Lebensqualität sowie eine verbesserte links-ventrikuläre Funktion bei HFpEF Patienten zur Folge hat (siehe beispielsweise hier). Dementsprechend wird dazu geraten, Patienten mit stabiler Herzinsuffizienz zu moderater körperlicher Aktivität zu ermutigen, auch über ein kardiales Rehabilitationsprogramm hinaus. 

Für Mediziner und Therapeuten ist es wichtig, gezielte Empfehlungen für ein optimales Training als Zusatztherapie im Management von HFpEF Patienten geben zu können. Diese sollten sich auf Erkenntnisse aus größeren Studien mit vielen Studienteilnehmern stützen. Zudem gilt es herauszufinden, wie lange die positiven Effekte eines solchen Trainings anhalten.
Die Exercise training in Diastolic Heart Failure (Ex-DHF) - Studie greift diese Forschungslücke auf und untersucht, inwiefern ein gezieltes körperliches Training die Symptome, die Belastbarkeit sowie die Steifigkeit des Herzens bei diastolischer Herzinsuffizienz verbessern kann. In einer großen Multicenter Studie sollen 320 Patienten untersucht werden, die entweder die bisher übliche Therapie erhalten oder zusätzlich ein gezieltes 12-monatiges Trainingsprogramm absolvieren.

Die geplante Studienumsetzung beschreiben Prof. Edelmann der Charité Universitätsmedizin Berlin und Kollegen in einem 2017 erschienen Artikel in der Fachzeitschrift European Journal of Heart Failure (hier finden Sie den Artikel).  Die Studie wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Dauer und Intensität des untersuchten Trainingsprogramms und erste Ergebnisse

Der Forschungsverbund hat ein Trainingsprogramm entwickelt, das auf ersten positiven Studienergebnissen aus dem Jahr 2011 basiert.

Das Training findet drei mal die Woche über einen Zeitraum von einem Jahr statt. In den ersten vier Wochen des Programms wird ausschließlich ein Ausdauertraining auf einem Fahrradergometer durchgeführt, wobei die Intensität von anfangs 50% auf bis zu 70% der VO2max innerhalb des ersten Monats gesteigert wird. Die Dauer der Trainingseinheiten, inklusive des Auf- und Abwärmens, wird darüber hinaus innerhalb der ersten drei Monate von 30 auf 60 Minuten erhöht.
Nach vier Wochen werden Kraftübungen in mindestens zwei der drei Trainingseinheiten pro Woche integriert. Das Gerätetraining umfasst sieben Übungen, welche die großen Muskelgruppen beanspruchen. Jede Übung beinhaltet 12 bis 15 Wiederholungen und wird bei einer Intensität von 60% des Einer-Wiederholungsmaximums (1RM) absolviert (S. 1069-1070; Edelmann et al., 2017).

In der bereits erwähnten Pilotstudie, in der 64 HFpEF-Patienten untersucht wurden, zeigte dieses Programm schon nach drei Monaten positive Effekte auf die Lebensqualität, die Leistungsfähigkeit und die links-ventrikuläre diastolische Funktion. Auch der linksatriale Volumenindex (LAVI), ein Parameter, der die Reaktion des Herzens auf die vermehrte Druck-und Volumenbelastung abbildet, konnte verbessert werden.

Sports, Medicine and Health Summit 2020

Studienergebnisse und Erfahrungen aus dem klinischen Alltag zu dem Themenfeld „Sport bei Herzinsuffizienz-Patienten“, insbesondere auch bei Patienten mit diastolischer Herzinsuffizienz, werden im Oktober 2020 im Rahmen des interdisziplinär angelegten Sports, Medicine and Health Summits vorgestellt und diskutiert. Neben Kardiologen und Sportmedizinern sind daher alle an der Versorgung beteiligten medizinischen Fachrichtungen und Professionen, wie Therapeuten und Rehasport-Übungsleiter, herzlich eingeladen, ihre Erfahrungen einzubringen und auszutauschen.


Der Artikel wurde geschrieben von: Laura L. Bischoff

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