23.10.2019 - 06:22

MiSpeX

Können anhand psychischer Faktoren chronische Rückenbeschwerden und Trainingsausfälle bei Athletinnen und Athleten vorausgesagt werden?

Der MiSpEx Forschungsverbund nimmt sich dieser komplexen Fragestellung an und entwickelt ein neuartiges Diagnosetool, das zuverlässig Rückenschmerzen bei Athletinnen und Athleten voraussagen können soll.

Chronisch unspezifische Rückenschmerzen, auch CURS genannt, sind seit Jahren sowohl gesellschaftlich mediales als auch wissenschaftliches Thema. Sie gelten als eine der häufigsten Gründe für Arbeitsunfähigkeits(AU-)tage und verursachen in Deutschland jährlich immense Kosten. Auch bei etwa 39% der Sportlerinnen und Sportlern treten chronisch unspezifische Rückenschmerzen innerhalb eines Jahres auf (Jahresprävalenz).
Insbesondere für Profisportlerinnen und -sportler können Trainings- oder Wettkampfausfälle aufgrund von Rückenbeschwerden Konsequenzen für die Karriere haben. Die Ursachen für CURS sind jedoch vielschichtig. Sie beinhalten neben dem Lebensstil (z.B. Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel) oder genetischer Veranlagungen - wie neuere Studien belegen - auch psychosoziale Faktoren. Diese Studien identifizierten Aspekte wie chronischen Stress, ungünstige Schmerzverarbeitung und depressive Stimmungslagen als Risikofaktoren, die auch im Leistungssport von Bedeutung sind.

Damit Leistungs- bzw. Freizeitsportlerinnen und -sportler frühzeitig möglichen Beschwerden entgegenwirken können, benötigen Ärzte oder Therapeuten wissenschaftlich untermauerte Screeninginstrumente, die das Risiko für unspezifische chronische Rückenschmerzen für Freizeit- wie Spitzensportler möglichst gut vorhersagen können. Darüber hinaus können so bisher bestehende Unklarheiten zu Erfolgschancen von Präventions- sowie Therapiemaßnahmen erforscht werden. Denn bisher ist nicht abschließend geklärt, warum Trainingsprogramme bei manchen Menschen Rückenschmerzen zuverlässig reduzieren können und bei anderen nicht. Möglicherweise weisen diese sogenannten „Non-Responder“, also Menschen bei denen ein Training nicht die gewünschten Wirkungen erzielt, ein eigenes Muster in ihrem Risikoprofil auf.

Das nationale Forschungsnetzwerk MiSpEx (National Research Network for Medicine in Spine Exercise) nimmt sich dieser komplexen Fragestellungen an. Das ehrgeizige Forschungsvorhaben wird über acht Jahre in drei Multicenter- und 34 Teilstudien umgesetzt, wobei einflussnehmende Risikofaktoren in drei Multicenter- sowie 11 Teilstudien untersucht werden. Die geplante Studienumsetzung beschreiben Prof. Wippert der Universität Potsdam und ihr Team in einem aktuellen Positionspapier in der Zeitschrift für Sportpsychologie (hier gelangen Sie zu der Studie).  

Sie sind Teil des MiSpEx Netzwerks, das verschiedene Forschungseinrichtungen mit klinischem und nicht klinischem Hintergrund sowie Einrichtungen mit Bezug zu unterschiedlichen medizinischen Versorgungssystemen (bspw. Universitäten, Olympiastützpunkte, Fachverbände und Rehakliniken) vereint und von dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft gefördert wird. 

Frei zugängliches und wissenschaftlich fundiertes Trainingsprogramm gegen Rückenschmerz

Der deutschlandweite Forschungsverbund hat darüber hinaus ein Trainingsprogramm entwickelt, das online frei zur Verfügung gestellt wird (klicken Sie hier). Das Programm berücksichtigt verschiedene Leistungsstände der Teilnehmenden und ist somit sowohl für Beginner als auch für Hochleistungssportler geeignet. Das von den hochkarätigen Forscherinnen und Forschern verschiedener deutscher Universitäten entwickelte Programm wurde in einer großen Multicenter Studie mit über 1500 Patientinnen und Patienten auf seine Wirksamkeit überprüft. Es führt der Studie zufolge neben einer Reduktion von Rückenschmerzen sowohl zu einer verbesserten Kraftfähigkeit der Rückenmuskulatur als auch zu einer Verbesserung der durch Rückenschmerz hervorgerufenen Einschränkungen im täglichen Leben.

Sports, Medicine and Health Summit 2020

Studienergebnisse zur Diagnostik und Therapie von Rückenbeschwerden bei Breiten- sowie Spitzensportlerinnen und Sportlern werden im Oktober 2020 im Rahmen des Sports, Medicine and Health Summits vorgestellt und deren Anwendung für die Praxis mit Ärzten, Therapeuten, Wissenschaftlern sowie Freizeit- und Leistungssportlerinnen und -sportlern diskutiert.


Der Artikel wurde geschrieben von: Laura L. Bischoff

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